Kritiken
Konzert am 29.3.2026 in der Stadthalle Fürth
FRÜHLINGSKONZERT Das Fürther Kammerorchester präsentierte sich unter Arkadii Pevtsov in mitreißender Spiellaune.
FÜRTH – Eine erstaunlich gut besuchte kleine Stadthalle und ein erwartungsvolles Publikum, was könnte schönerer Lohn und Bestätigung für monatelange Probenarbeit sein als ein solcher Zuspruch. Zum traditionellen Frühlingskonzert hatte das Fürther Kammerorchester geladen, und alle kamen, die dem seit 1953 in Fürth aktiven Amateurorchester verbunden sind. Die Programmfolge versprach einige musikalische Leckerbissen, die das ambitionierte Ensemble am späten Nachmittag im sonnendurchfluteten Konzertsaal darreichte.
Die Divertimenti des 16-jährigen Wolfgang Amadeus Mozart spiegeln seine Eindrücke von der Italienreise mit Vater Leopold wider. Sie sollen den Dienstherrn in Salzburg, Hieronymus Graf Colloredo, beeindrucken, sind voller Anklänge an italienische Komponisten der Zeit. Im F-Dur-Divertimento KV 138 lassen die Streicher des Fürther Kammerorchesters beim kraftvollen Dreiklangsthema des Allegro gleich aufhorchen, breiten die ersten Geigen die kantable Melodie aus, als hätten sie es mit einer Arie zu tun. Ganz springlebendig kommt dann der hurtige Presto-Satz.
Glückliches Händchen bewiesen
Seit 2022 steht der gebürtige Ukrainer Arkadii Pevtsov, der unter anderem Leiter des Operettentheaters Odessa war, am Pult; mit der Auswahl - Laien sollte man nach Möglichkeit nicht überfordern - und Vermittlung der Werke hat er ein glückliches Händchen bewiesen. So auch bei der Streichersonate G-Dur, die der nur 12-jährige Gioacchino Rossini 1804 während seiner Ferien schrieb. Dessen Studium von Werken Mozarts und Haydns ist hier klar zu entdecken. Die unbeschwerte Grazie des Moderato drückt Pevtsov in Gestik und Mimik aus, das Orchester folgt geschmeidig beim anfänglichen Schlenker des Themas, bei der im langen Bogen gespannten Melodie des Andantino, in den schwingend witzigen Phrasen des Allegro.
Da passt auch die viersätzige Es- Dur-Sinfonie von Johann Stamitz, der am kurfürstlichen Hof in Mannheim wirkte gut ins Programm. Zwei Oboen und zwei Hörner reichern die Streicher mit neuen Klangfarben an.
Seit fast zehn Jahren führt Irina Schulika als Konzertmeisterin die Streichergruppe der Fürther. Ihr Wunsch, einmal als Solistin vom Orchester getragen zu werden, geht nach einem Vivaldi-Auftritt im Vorjahr an diesem Frühlingskonzerttag abermals in Erfüllung, nämlich bei Johann Sebastian Bachs Concerto d-moll BWV 1059, dessen ursprüngliches Oboensolo von Jésus de Lau für Violinsolo gesetzt wurde. Mit herrlicher Klangfülle und in virtuosen Läufen entfaltet Schulika in Bachs kontrapunktischem Labyrinth eine vor Lebensfreude sprühende Vitalität, von der sich das Orchester in aufmerksamer und klar fokussierter Interaktion anstecken lässt.
Sehr schön gelingt die blühende Geigenmelodie des ariosen Adagio, vom Pizzicato der Streicher elektrisiert. Kraftvolle Tuttiakzente des Orchesters markieren das Presto, mit dessen rasanten Sechzehntelläufen Schulika erneut die Hörerinnen und Hörer atemlos folgen lässt. Großer herzlicher Beifall für die so zurückhaltend und bescheiden auftretende Künstlerin, die allerdings im Spiel sämtliche Fesseln ablegt und den sprichwörtlichen Funken überspringen lässt.
Bei Mozarts Sinfonie D-Dur KV 121 kommen wieder zwei Oboen und zwei Hörner zu den Streichern. Die ersten beiden Sätze stammen aus der Ouvertüre zur Oper „La finta giardiniera“, die derzeit in Brigitte Fassbaenders Inszenierung auf der Bühne des Staatstheaters Nürnberg zu erleben ist. Und man kann gebannt beobachten, wie der jugendliche Mozart immer selbstständiger geführte Bläserstimmen fordert, die Oboen und Hörner hier pointiert herausarbeiten, wie die Streicher voller Spannung im grazilen Andantino schreiten, wie im schwungvollen Allegro ausdrucksvolle Melodiebögen genauso überzeugend geraten wie sprühend rhythmische Passagen. Viel anerkennender Applaus. Frühling mit Extradosis Lebensfreude Stadthalle Das Fürther Kammerorchester präsentierte sich unter Arkadii Pevtsov in mitreißender Spiellaune.
VON MICHAEL VIETH
Konzert am 30.3.2025 in der Stadthalle Fürth
FRÜHLINGSKONZERT Das Fürther Kammerorchester servierte in der Kleinen Stadthalle eher selten gespieltes Repertoire.
FÜRTH – Antonio Vivaldis Konzert-Sammlung „L‘Estro Armonico“ (Opus 3) steht bis heute im Schatten der ungleich bekannteren „Vier Jahreszeiten“ aus dem Zyklus „Il cimento dell‘armonia e dell‘inventione“ und wird nicht annähernd so oft aufgeführt. Das Fürther Kammerorchester stellte sich nun für sein Frühlingskonzert das a-Moll-Konzert aus jenem zu Unrecht verkannten Zyklus auf die Notenpulte in der Kleinen Stadthalle - und wusste nicht nur damit zu gefallen.
Auch am Beginn des Programms, das Stammdirigent Arkadii Pevtsov in präzisem Wissen um die Möglichkeiten seines ambitionierten Amateur-Ensembles zusammengestellt hat, steht Barockmusik. Johann Sebastian Bachs drittes Brandenburgisches onzert (BWV 1048) ist im Grunde ein einziges langes Allegro, den Adagiosatz hat der Fugenmeister sich geflissentlich gespart.
Das Fürther Kammerorchester schwelgt in rasanten Läufen, macht viel Druck, gefällt mit präzisen Einsätzen - und macht dabei weitgehend vergessen, dass die Intonation und die rhythmische Genauigkeit nicht so punktgenau wie bei Profi-Formationen ausfallen. Was die Spielfreude und den unbeschwerten Impetus nicht schmälert.
Hinter dem Fürther Kammerorchester stehen Menschen, die einfach Freude am gemeinsamen Musizieren haben und sich zum Teil seit vielen Jahrzehnten zur gemeinsamen Erarbeitung symphonischer Werke treffen. Musikbegeisterte wie der ältere Herr in der ersten Publikumsreihe, der zwar des Alters halber inzwischen das Geigenspiel aufgegeben hat, von seinen einstigen Ensemblekolleginnen und -kollegen aber wie ein Familienmitglied begrüßt wird.
Teamgeist hilft dabei, Stücke wie Peter Warlocks unüberhörbar britisch geprägte „Capriol Suite“ mit ihren leichtfüßigen Tanzsätzen zu bewältigen. Das ist angelsächsischer Folk in symphonischem Gewand, eine Sammlung nur vordergründig historischer Tanzformen wie Tordion oder Pavane, die dem Fürther Kammerorchester spürbar mühelos von der Hand geht. Spektakulär und mitreißend gelingt vor allem der finale Schwerttanz, bei dem die furiose Frenetik Aram Khatchaturjans von weitem winkt. Gabriel Faurés „Pavane“ ist dagegen ein unschkonzert-Schlager, oft gespielt und von Arkadii Pevtsov souverän in Form gebracht.
Mit besagtem Vivaldi-Konzert macht Konzertmeisterin Irina Schulika klar, warum sie in diesem Ensemble am ersten Pult sitzen darf. Ihr Vivaldi lebt von beherztem Zugriff, zügigen Tempi und präzise intonierten Verzierungen und Trillern. Auch auf einer modernen Violine kann man „historisch informiert“ mit wenig Vibrato und durchsichtiger Phrasierung spielen. Symphony“ (Opus 4), ein für Jugendorchester geschriebener Spiegel von Brittens lebenslangem Faible für englische „Folk Tunes“ - quirlig, überschwänglich und mit überwältigendem Charme. Der Frühling kann kommen.
VON HANS VON DRAMINSKI
Konzert am 21.04.2024 in der Fürther Stadthalle
Musikalisches Frühlingserwachen
KAMMERORCHESTER Werke von Mozart bis Haydn begeisterten Zuhörer in der Fürther Stadthalle.
Der Frühling hat die Pausentaste gedrückt und ist zu einem Standbild geworden, dessen Blüten nicht zur aktuellen Wetterlage passen. Da kommt es umso gelegener, dass das Fürther Kammerorchester in der Stadthalle aufspielt, um das Geräusch des Regens mit Mozart und Haydn zu Obertönen. Am Anfang dirigiert Arkadii Pevtsov, Nachfolger des 2022 verstorbenen langjährigen musikalischen Leiters Horst Günter Lott, das Ensemble in Mozarts Serenade „Eine kleine Nachtmusik".
Viel weniger bekannt ist das Konzert für Flöte, Streicher und Basso Continuo aus der Feder von Johann Joachim Quantz. Kommt der Traversflöte in manchen werken die Rolle einer virtuosen, aber atemlosen, zuweilen schrill irrlichternden Stimme zu, bleibt sie in Quantz' Konzert ruhiger, flattert und schwebt über den erdenden Rhythmen des Basso Continuo, wetteifert mit einer Violine, deren starre Töne sie umspielt. Solist Johannes Kalb malt im langsamen Teil zusammen mit den Streichern ein Klangbild in gedeckten Farben. Die Flötenstimme erhebt sich nicht hoch hinaus, klingt warm, manchmal fast erdig, rasch, aber nie hektisch.
Kraftvolle Töne
Konzertmeisterin lrina Schulika übernimmt in Johann Sebastian Bachs Konzert für Violine und Streicher in A-Moll den Solopart. Das tut sie im Allegro mit Kraft und raumgreifenden, weiten Tönen, die sich mit dem Cembalo und dem Rest des Ensembles zu einem schönen Gesamtklang verbinden. Im langsamen Satz spielt Schulika die Töne lange aus, wie etwas Süßes und Geheimes, das man nicht loslassen will, aber auch nicht festhalten kann. Das gibt der Musik eine Intensität, eine schmerzliche Schönheit, die über bloßen Wohlklang hinausgeht.
Die markanten Phrasierungen und die kräftige Spielweise im Schlusssatz hingegen zeugen von einer Art Ungeduld, der sich besser nichts in den Weg stellt. Die Solistin durcheilt den Satz mit so grimmiger Entschlossenheit, dass der Rest des Orchesters kaum mithalten kann.
Nach der Pause werden die Fürther Streicher von Bläsern der Orchestergemeinschaft Nürnberg unterstützt, steht doch Joseph Haydns Sinfonie 45 auf dem Programm. Über sie, die ,,Abschiedssinfonie", gibt es unterschiedliche Anekdoten und Deutungen, und Pevtsov gibt die bekannteste davon zuvor zum Besten: dass der Komponist, als er der den Ärger seiner Musiker weitergeben soll, die Musik sprechen lässt, statt seinen Fürsten auf dem Dienstweg über das Rumoren im Orchester zu informieren.
Wie viel Wahrheit auch immer in der Geschichte stecken mag, Unmut und Aufruhr hat Haydn ganz klar in seine 45. Sinfonie gepackt.
Aufgewühlt, düster und fast dissonant beginnt das Allegro. Die Bläser klingen hier vielleicht etwas zu massiv, wie sich überhaupt das Zusammenspiel nicht ganz exakt gestaltet und kleine Unsauberkeiten zu hören sind. Es ist Haydns vielleicht experimentellste Sinfonie, lange vor dem berühmten Ende, mit einem Adagio, das seltsam hohl und substanzlos bleibt, ohne Tiefe und Resonanz, klagend fast, zumindest nicht zufrieden.
Es ist kein Ohrenschmeichler, dieses Werk, aber das Publikum im kleinen Saal der Stadthalle bekommt am Ende etwas zu lachen: Wie die unzufriedenen Musiker in der Esterhazy-Anekdote steht auch an diesem Abend ein Instrumentalist nach dem anderen auf, stellt sein Spiel ein, und verlässt den Saal.
Das Publikum zeigt keine derartigen Fluchttendenzen, sondern applaudiert heftig und lässt sich gerne als Zugabe noch einmal den ersten Satz des Mozart geben.
Sigrun Arenz
Konzert am 17.12.2023 in Röthenbach
Advent Das Fürther Kammerorchester hatte zu einem Gemeinschaftskonzert mit einem Frauenprojektchor nach Röthenbach eingeladen.
Röthenbach – Sicher hat sich der verstorbene Horst Günter Lott, früherer Leiter des Fürther Kammerorchesters und der Chorgemeinschaft Schwaig, im Himmel über diesen Abend gefreut. Er hatte noch zu Lebzeiten beim Kulturamt der Stadt Röthenbach solch ein gemeinschaftliches Weihnachtskonzert unter seiner Leitung angeregt. Doch sein überraschender Tod am 1. November 2021 und die Pandemie bereiteten seinem Vorhaben erst einmal ein Ende.
Nun konnte das Konzert mit seinen Nachfolgern Susanne Wittekind („First Ladies“) und Arkadii Pevtsov (Kammerorchester Fürth) endlich stattfinden. Die Stadt stellte dafür die Karl-Diehl-Halle kostenfrei zur Verfügung.
„Es weihnachtet sehr …“ war der Titel des festlichen Konzerts unter der musikalischen Gesamtleitung von Arkadii Pevtsov. Gesanglich unterstützt wurde das Orchester von einem Frauenprojektchor, der sich aus Mitgliedern der „First Ladies“ der Chorgemeinschaft Schwaig, den Damen des Chors „Hava Nashira“ der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg und dem Frauenchor „Sonnenklang“ der Landsmannschaft „Deutsche aus Russland“ aus Fürth gebildet hat.
Das begeisterte Publikum bekam Arcangelo Corellis Concerto VIII, Opus 6, Nr. 8, und Wolfgang Amadeus Mozarts Divertimento II, KV Nr. 187 in b-dur in Perfektion vom Orchester zu hören. Das Cembalo/Piano von Maxim Kulabukhov brachte die besonderen weihnachtlichen Zimbelklänge ein.
Emotionale Höhepunkte
Emotionaler Höhepunkt waren für viele Zuhörer die fünf deutschen Weihnachtslieder für Frauenchor und Streicher nach dem Orchestersatz von Pevtsov. Beginnend mit einem starken „Tochter Zion“, folgten „Alle Jahre wieder“ und „Fröhliche Weihnacht überall“. Der Weihnachtsklassiker „Stille Nacht, heilige Nacht“ klang durch die versetzt einsetzenden Stimmen wie Glocken in der Winternacht und kam so dem Ursprung des Lieds in einem Weihnachtsgottesdienst im Salzburger Land sehr nahe.
„O du fröhliche“ erfuhr eine besondere Gestaltung, weil in der zweiten Strophe der reine Sopran von Susanne Wittekind über den Chor gelegt wurde und die dritte Strophe in ein Halleluja überging.
Nach der Pause erklangen englische Weihnachtslieder, deren Texte im Programm in deutscher Sprache abgedruckt waren: „Das sind die Farben der Weihnacht, lass sie über die ganze Welt leuchten, das sind die Farben des Glückes, die Freude über die Geburt des neugeborenen Kindes“ heißt es da in „The Colors of Christmas“ für Frauenchor, Piano und Streicher. Es folgten John Rutters „Angel’s Carol“, Leroy Andersons „Suite of Carols“ für Streichorchester, Pinkzebras „Winter Lullaby“ für Frauenchor und Piano und aus „Joy to the World“ für Frauenchor und Orchester „The Angel Gabriel“, „O holy night“, „The last sleep of the Virgin“ und eben „Joy to the world“.
Als Zugabe wurde nach langem Applaus „O du fröhliche“ gemeinsam mit dem Publikum gesungen. So waren alle perfekt eingestimmt auf das bevorstehende Weihnachtsfest.
Edith Link
